Neubau und Sanierung Grund- und Vorschule in Esch/Alzette 
Städtebaulicher Wettbewerb "Neuordnung Quartier Bruch" 2013, 1. Preis für JSWD
Ausloberin: Stadt Esch-sur-Alzette, Luxemburg
Projektdurchführung: JSWD in Zusammenarbeit mit Jim Clemes Associates, Esch/Alzette, Luxemburg
Teilfertigstellung im Herbst 2025, Fertigstellung gesamter Campus ca. 2029
Kunst am Bau: Daniel Mac Lloyd; Fotos: Andres Lejona

Aufgabe des Wettbewerbs war die städtebauliche Neuordnung des Quartiers „Bruch“, der Sanierung und Erweiterung der bestehenden Grundschule sowie dem Neubau einer Turnhalle, einer Vorschule und eines Betreuungszentrums. Die Realisierbarkeit in mehreren Bauabschnitten ohne Provisorien war gefordert.

Städtebaulicher Ansatz
Aus dem ehemals „undurchlässigen“ Häuserblock formen sich drei Gebäudeensembles, die jeweils einen Gartenhof mit unterschiedlicher Freiraumqualität umschließen. Der erste Hof ist umgeben von alle neuen und alten Schulgebäuden. Der zweite Hof beinhaltet u.a. die Freifläche der Vorschule. Der dritte Hof wird definiert durch einen möglichen Neubau, der Wohnungen oder optional weitere schulische Einrichtungen aufnehmen kann. Es wird ein offenes, autofreies Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Zwischen den Hof-Ensembles verbleibt ein großzügiger, öffentlicher Freiraum, der dem neuen Quartier eine eigene Identität verleiht und dieses mit dem Umfeld vernetzt. Von PKW-Verkehr befreit, bietet dieser Anger für Schüler und Vorschüler einen sicheren und attraktiven Weg zur Schule und löst den „Hinterhof-Charakter“ des Binnenraums auf. Die Offenheit und Zugänglichkeit des Quartiers schafft für alle Bürger der Stadt neue Aufenthaltsqualitäten und verankert das Schulensemble mehr als bisher im Gefüge der Stadt.

Das neue Quartier Bruch entwickelt sich aus dem selbstverständlichen Zusammenspiel von Bestand und Neubau. Die solitären Gebäude werden in Bauabschnitten und unabhängig voneinander entstehen. Ein „Schuldorf“ – eine Familie, die Zusammengehörigkeit demonstriert und in ihrer Konfiguration unterschiedliche Freiraumqualitäten definiert. Die Neubauten B, C und D werden den Schulhof mit dem Bestandsgebäude A ergänzen und zu einer optischen Einheit umschließen. Brückenbauwerke in den Obergeschossen werden alle Gebäudeteile miteinander verbinden. Im Erdgeschoss verbleiben zwischen den Gebäudeteilen großzügige Fugen, die den Pausenhof von allen Seiten einsehbar und zugängig machen.

Organisation der Schule
Die Struktur in allen Gebäudeteilen sieht eine Durchmischung von Schulräumen mit Räumen der Maison Relais vor, die einen integralen Austausch ermöglichen. Das Raumprogramm kann auch in der Zukunft flexibel auf sich ändernde Vorgaben reagieren. Es entstehen kindgerechte Häuser und Freiräume, die im Zusammenspiel eine große Aufenthaltsqualität bieten und die Identifikation der Schüler/Innen mit Ihrer Schule fördern.

Der Zugang für die beiden Neubauten der ersten Bauphase erfolgt an der Ecke Rue Marie Müller-Tesch, Rue Michel Lentz zum Gebäudeteil C, in dem auch die Sporthalle angeordnet ist.

Der Eingang ist ohne Durchqueren des Schulhofes auch als Sportlerzugang für Externe vorgesehen. Großzügige Verglasungen vom Straßenraum und dem Schulhof ermöglichen Einblicke in die untere Hallenebene. In diesem Zuge wird auch der große Pausenhof entstehen, der mit einer Grünzone, überdachten Pausenhofflächen mit Sitzstufen und Bereichen für den pädagogischen Garten auch während der nächsten Bauphasen nutzbar sein wird.

In den Obergeschossen sind alle Schulhäuser über Brücken miteinander verbunden. Die ringförmige Erschließung und das erlebbar machen der Hauswechsel ermöglicht eine einfache Orientierung. Klassenräume und Räume der Maison Relais werden nicht separat abgebildet. Vielmehr verzahnen sich die Nutzungen zu einer flexiblen, bespielbaren Lernlandschaft. Die Organisationsstruktur erlaubt das Abbilden offener, halboffener und geschlossener Räume, die sich nach Bedarf und ohne große bauliche Veränderungen anpassen können.

Die Produktionsküche für 500 Essen wird ebenfalls Teil der ersten Bauphase sein. Somit kann sich die Schule selbst versorgen und hat zudem die Kapazität, bis zu 200 Essen für andere Schulen bereitzustellen. Die Arbeitsbereiche sind im Erdgeschoss verortete, für eine ausreichende natürliche Belichtung sorgen großzügige Fensterelemente. Die Essräume sind in den Obergeschossen von Haus D verteilt. Die Essräume erhalten eine Mehrfachnutzung und können als Gruppenräume genutzt werden. Die pädagogische Küche ist ebenfalls in den Essräumen integriert.

Materialität und Fassadengestaltung
Eine Ziegelfassade aus hellen Beige-Tönen für die Neubauten, abgestimmt auf die Farbgebung des Bestandsgebäudes mit seiner Putz-/Natursteinfassade sorgt für ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Alt und Neu. Horizontal strukturierte Bänder mit Ziegelrelief zonieren die Fassaden der Neubauten in Anlehnung an die durchlaufenden Gesimse des Haupthauses. Fensterbänke und Attiken aus farblich angepasstem Betonwerkstein stellen die Verbindung zu den Gesimsen im Bestand her. Holz/Alu- Fensterelemente aus dunklem Eloxal stehen im Kontrast zur Fassade und unterstreichen die Geometrie der Öffnungen. Vollständig verglaste Brücken werden die einzelnen Gebäudeteile miteinander verbinden.

Energiekonzept
Das Energiekonzept sieht vor, wartungsaufwendige Technik zu reduzieren und durch eine natürliche Belüftung der Räume den Primärenergiebedarf zu reduzieren. Sogenannte „Parieto-Fensterelemente“ werden hierzu in die Fassadenelemente integriert, welche die Räume mit gekühlter Frischluft im Sommer versorgen. Im Winter wird die Luft über den Scheibenzwischenraum durch die Sonnenstrahlen vorgewärmt ins Gebäude strömen. Zum Lüftungskonzept werden lediglich Ventilatoren auf dem Dach benötigt, welche den Luftstrom regulieren und fließen lassen.

Siehe auch

CWD Center for Wind Power Drives

Ecole Centrale Clausen

Fraunhofer-Institut TZA

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