Referenzentwurf für das neue Hochhaus-Bausystem von Goldbeck
Realisierungswettbewerb 2026, 3. Preis
Ausloberin: Goldbeck GmbH
Perspektiven: Bloomimages für JSWD
Städtebau
Das neue Goldbeck-Hochhaus setzt im Stadtraum einen markanten Hochpunkt und vervollständigt den Campus als nördlicher Endpunkt der Bestandsstruktur. Durch die Setzung des Baukörpers entsteht ein klarer Bezug zum historischen Goldbeckhaus westlich des Baufeldes.
Das Gebäude wird allseitig von den Grundstücksgrenzen zurückgesetzt und bildet ein klares Gegenüber zum Goldbeck System-Zentrum. Zwischen den Gebäuden entsteht die neue Goldbeck Plaza, ein Eingangsplatz, der die Gebäude funktional und visuell verbindet. Bestehende Elemente wie der „Geburtstagsbaum“ und die Wasserflächen werden in die neue Freiraumgestaltung integriert und durch großflächige Pflanzinseln strukturiert. Der Platz dient als repräsentative Vorfahrt für das gesamte Areal und erschließt neben den Gebäuden noch die seitlich unter Bäumen gelegenen Parkplätze und die Anlieferung.
Der Baukörper reagiert in seiner Form auf die Umgebung. Er setzt sich aus einzelnen, gestapelten Kuben, die sich nach oben hin verjüngen um dem Haus visuell eine größere Höhe zu geben, zusammen. So entstehen drei bewusst positionierte Dachterrassen mit unterschiedlicher Ausrichtung und Qualität: die untere Terrasse im 4. OG nimmt die Höhe des Daches des Systemzentrums auf und bietet einen Blick auf den neuen Goldbeckplatz, die mittlere Terrasse im 6. OG erlaubt den Blick über die Baumwipfel in Richtung Bielefeld, die oberste Terrasse im 10. OG orientiert sich zum Goldbeck-Stammhaus und bietet einen Panoramablick über das Areal.
Nutzung
Das Gebäude bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und erfüllt damit seine Funktion als Ausstellungsturm für Goldbeck-Produkte sowie als attraktiver Arbeits- und Eventstandort. Die Grundrisse sind flexibel gestaltet und ermöglichen sowohl klassische Büroformen in Open-Space- oder Zellenaufteilung als auch die Integration von Konferenz-, Event- und Executive-Bereichen. Dank des Goldbeck-Ausbaurasters können bei Bedarf auch temporäre Wohneinheiten wie Studios oder Apartments untergebracht werden. Hochwertige Terrassen ergänzen die Nutzungsvielfalt und schaffen besondere Arbeits- und Ausstellungsflächen. Oberhalb des 11. Obergeschosses sind die Technikzentralen hinter einer hochgezogenen Fassade untergebracht, ohne die Last einer zusätzlichen Deckenkonstruktion.
Erschließung
Das Gebäude ist um einen zentralen Erschließungskern angeordnet, der ein flächenoptimiertes Sicherheitstreppenhaus mit vorgelagerten Personenaufzügen enthält, wovon einer als notwendiger Feuerwehraufzug ausgelegt ist. Dadurch kann trotz Überschreitung der Hochhausgrenze auf ein zweites Treppenhaus verzichtet werden. Rund um den Kern sind in jeder Etage die Sanitärbereiche angeordnet. So entsteht ein 12-geschossiges Hochhaus mit effizient genutzter Fläche und ausreichend umlaufender Tiefe für flexible Bürogrundrisse.
Tragwerk
Der Entwurf nutzt konsequent die Systembauteile und Abmessungen der Firma Goldbeck, sodass Sonderkonstruktionen weitgehend entfallen. Die unteren beiden Kuben werden mit dem neuen Hochhaussystem (HAWE) realisiert, die oberen Geschosse mit klassischen Goldbeck-Systembauteilen (AWE). Der nach oben verjüngende Stützenquerschnitt spiegelt sich in den schlanker werdenden Lisenen der Fassade wider. Ein Unterzug in der Fassade wird durch eine niedrige Brüstung ergänzt, wodurch ein 1,2 m hoher Riegel entsteht, der den Brandüberschlag zwischen den Geschossen verhindert und eine Sprinklerung überflüssig macht.
Fassade
Die Fassade besteht aus vorgefertigten Aluminiumbauteilen mit hohem Recyclinganteil. Vertikale Lisenen verjüngen sich nach oben, wodurch die Vertikalität des Gebäudes betont wird. Das 1,35 m-Fassadenraster ermöglicht flexible Trennwandanschlüsse, wobei jedes zweite Raster ein öffenbares Fenster für die Innenreinigung enthält. Ergänzt wird die Fassade durch eine dezentrale mechanische Be- und Entlüftung, hochwärmegedämmte Bauteile und windstabilen, außenliegenden Sonnenschutz. Auf den sonnenexponierten Seiten können PV-Elemente in die Brüstungen integriert werden.
Nachhaltigkeit
Für eine wirtschaftliche und nachhaltige Lösung wurde besonderer Wert auf Langlebigkeit und Zukunftsfähigkeit gelegt. Das Gebäude ist kompakt, mit niedrigem Verkehrsflächenanteil und hoher Flexibilität geplant, um die neun Goldbeck Blue Building Parameter zu erfüllen. Graue Emissionen werden durch die zirkuläre Aluminiumfassade mit hohem Recyclinganteil, den effizienten Tragwerkssystemen und einen schadstofffreien Innenausbau aus nachwachsenden oder recycelten Baustoffen minimiert.