Revitalisierung ehemaliges Bahnausbesserungswerk
Auftraggeber: CUBE Real Estate, Köln
1. Preis Wettbewerb 2017
Teilfertigstellung in 2024
LEED Core & Shell 4.0 in Gold für Bauteil 1 (Büros)
Fotos: JSWD, Visualisierungen: The Third für JSWD

Idee – Städtebau
Auf dem Gelände des ehemaligen Bahnausbesserungswerkes in Opladen wurden die letzten verbliebenen Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt. Ein Teil der historischen Hallenstruktur und Teile der Giebel sowie ein Verwaltungsbau, der sogenannte Würfelbau (Block 1), wurden erhalten und neue Nutzungen integriert. Unser siegreicher Wettbewerbsentwurf aus dem Jahre 2017 löst das ehemals verschlossene Hallenensemble in vier Baukörper auf, die windmühlenflügelartig um eine zentrale Mitte gruppiert sind, unterschiedliche Nutzungen aufnehmen und so ein neues Quartier mit urbanem Charakter entstehen lassen. Die neuen Baukörper nehmen die Chance wahr, die industrielle Vergangenheit des Orts durch Aufnahme von Gestaltungsprinzipien und Materialien weiter leben zu lassen und dem neuen Quartier eine besondere Identität zu verleihen.   

Im durchgeführten B-Plan-Verfahren wurden die Weichen gestellt, um die Umsetzung der Wettbewerbsidee durch Festlegung zu Trauf- und Firsthöhen, der Materialität und der zu erhaltenden bzw. nach historischem Vorbild wieder zu errichtenden Substanz zu gewährleisten.

Bisher wurden diese Bauabschnitte realisiert: Block 1 (Büros), Block 2 (Micro-Apartments und WGs) und Block 4 (a Wohnungen, b Parkhaus). Die weitgehend erhaltene Halle, der Block 3, zur gewerblichen Nutzung und der Quartiersplatz sind im Bau bzw. in Planung.

Der Giebel des ehemaligen Hallenschiffs 3, der den historischen Schriftzug „WERK OPLADEN“ trägt, wird anschließend wieder aufgebaut und damit erneut zum markante Eingangstor des Areals.

Denkmalschutz
Im Nahbereich denkmalgeschützter Bauten liegend und auf Grund der Festsetzungen des B-Plans sowie des städtebaulichen Vertrags wurde das Erscheinungsbild der Gebäude mit der unteren Denkmalbehörde abgestimmt. 

Während der größte Teil des Giebels des ehemaligen Hallenschiffs 3 abgerissen werden musste, konnte der südliche Pfeiler, der von der angrenzenden Halle gestützt wird, erhalten bleiben. Der nördliche Pfeiler und der Balken oben werden analog der historischen Erscheinung in Ziegeloberfläche bzw. mit Metallbekleidung wiederaufgebaut. Zur ästhetisch und funktional besseren Integration in die Neubaustruktur werden dabei die Proportionen leicht verändert, bleiben aber in dem vom B-Plan zugelassenen Höhenbereich. 

Außenanlagen
Wie die Architektur des Gebäudes nimmt die Planung des Landschaftsarchitekten die Thematik der industriellen Vergangenheit des Ortes zum Anlass der Ausformulierung von Detaillösungen und Materialauswahl. Während Innenhöfe als begrünte Aufenthaltsräume für die Bewohner dienen und soweit möglich mit wassergebundener Oberfläche bzw. Begrünung ausgestattet sind, werden die Außenbereiche als „Werkstrassen“ mit harten Oberflächen (Asphalt, Beton, Betonwerkstein) ausgestatte. Begrünte Bereiche werden in Analogie zu Elementen der Ausbesserungshallen als abgedeckte (Wartungs-) Gruben angelegt.

Block 1 mit Würfelbau – Büronutzung
Der Block 1 wird geprägt durch die unterschiedlichen hohen Gebäudeteile vom bestehendem Würfelbau, dem aufgestockten Giebel der ehemaligen Halle 2 (ist in ein Neubauteil integriert), dem wiederaufzubauenden Giebel der ehemaligen Halle 3 und dem 4-geschossigen Neubauteil.

Der Würfelbau nimmt mit seinem Walmdach eine Sonderstellung im gesamten Areal ein. Die Fassade des Würfelbaus wurde weitgehend unverändert und in ihrer Materialsichtigkeit erhalten. Wichtigste Veränderung war der Abbruch des alten Daches und der energetisch verbesserte Aufbau mit einer leichten Erhöhung um 25 cm, die vor allen Dingen nötig war, um im Anschluss an die Neubauteile genügend Höhe zur Verfügung zu stellen. Beim Neuaufbau wurde auf die Zwischendecke über dem 2. Obergeschoss verzichtet und der Dachraum mit einbezogen.

Der benachbarte Bestandsgiebel wurde aufgestockt, mit einem Neubau hinterbaut und dient heute als Hauptzugang und Adresse des Gebäudekomplexes. Der Eingangsbereich nimmt einen 3-geschossigen Luftraum auf, der auch aus dem Vorraum der benachbarten Aufzugsgruppe einsehbar ist und somit das Herzstück des Gebäudes darstellt. Angrenzend sind Besprechungsräume untergebracht. Das Eingangsfoyer dient als Durchgang zu den über den Innenhof erreichbaren Nebeneingängen der weiteren Erschließungskerne. 

Der 4-geschossige Neubauteil bietet klassische Büroräume in 2er- und 3er-Bundstruktur mit einem Achsraster von 1,375 m. Bei großen Teilen der Bürofläche an der Außenfassade wird ebenfalls auf eine Zwischendecke verzichtet und die Höhe des schräg ansteigenden Dachraums in den Büroraum integriert. 

Block 2 - Micro-Apartments
In diesem in der Kubatur an die alten Bahnhallen angelehnten Bauteil gruppierten sich die grundausgestatteten Micro-Apartments und Wohngruppen um einen bepflanzten Innenhof. Sitzgelegenheiten laden dort zum Verweilen ein. Hier finden sich auch und die im Wohnungsbau erforderlichen Spielflächen mit Sandkasten und Spielgeräte für die Kinder der Bewohner.

Während außen mit der Denkmalpflege abgestimmte Klinkerriemchen auf WDVS die Fassaden bekleiden, wurde im Innenhof - anders als in unsere ersten Planung - ein heller WDVS-Putz aufgebracht.

Block 3 – Gewerbe + Event
Die Hülle dieser historischen Werkhalle bleibt weitgehend erhalten. Innen werden Flächen für Gastronomie, Event, Sportangebote und in den Obergeschossen auch Büroflächen entstehen. Ein Luftraum mit umlaufender Galerie bringt dort das Licht aus den Dachreitern bis in die untere Ebene.

Block 4 – Wohnungen + Parkhaus
Dieser Block ist in seiner Nutzung zweigeteilt. Die loftartigen Wohnungen sind zur vorgelagerten Grünflache orientiert. In Richtung Quartiersmitte und Hochschulcampus schließt sich das Parkhaus mit 500 Stellplätzen an. Die Dachneigung der alten Werkshallen (15° bzw. 20°) und im Falle des Parkhauses auch die - nach oben offenen - Konstruktion aus Fachwerkträgern wurde bei den Neubauten aufgegriffen. Trauf- und Firsthöhen der beiden Bauteile sind identisch.

Beide Gebäudeteile wurde als klassischer Massivbau mit tragenden Außenwänden erstellt. Die Tragstrukturen sind dabei bis hin zur Gründung komplett getrennt. Die Zufahrt zum Parkhaus erfolgt von Ost unter dem Wohnhaus hindurch über eine schwingungsdämpfend gelagerte Deckenplatte. 

Wie im städtebaulichen Vertrag festgelegt, blieb der mit ca. 6m Abstand vor dem Neubau stehende Giebel der ehemaligen Halle 4 erhalten. Er wird über seitliche Metallpfetten und durch die seitliche Wand an der Parkhauszufahrt gehalten. Der so entstandenen Binnenraum wird von den Erdgeschosswohnungen als Freisitz genutzt. 

Die neuen Außenfassaden wurden mit einheitlichen Klinkerriemchen auf WDVS ausgeführt, so dass der Gesamtkörper als einheitliches Volumen erscheint. Die Farbgebung orientiert sich am alten Giebel und wurde mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Ähnlich dem Block 2 wurde die Ziegelfläche durch Vor- und Rücksprünge reliefartig gegliedert. Die Fassadenfelder des 5-geschossigen Wohngebäudes sind großflächig verglast bzw. sind zu den Loggien komplett geöffnet.    

Energieversorgung
Alle Gebäude sind an das öffentliche Strom- und Fernwärmenetz angeschlossen.

Projektseite des Bauherrn: CUBE Factory 577

Siehe auch

FLOW Tower Köln

Neue Mitte Porz

Servicewohnhaus für Senioren

Alle Projekte Wohnen