Masterplanung für den Max-Planck-Campus Martinsried und Entwurf eines generischen Laborgebäudes
3. Preis Realisierungswettbewerb 2025/26
Ausloberin: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., München
Freiraumplanung: RMPSL Stephan Lenzen, Tragwerk: Werner Sobek, TGA: RMP Ingenieure
Visualisierungen: Bloomimages
Die MPG möchte den traditionsreichen Forschungsstandort Martinsried südwestlich von München an die zukünftigen Anforderungen wissenschaftlicher Forschung anpassen. Unser Konzept sieht orthogonal organisierte Cluster vor, die sich um eine grüne Campusmitte gruppieren. Die einzelnen Baufelder können sukzessive bebaut werden. Als fernwirksamer Hochpunkt ist das Hauptgebäude mit Kantine und Auditorium angedacht. Seine markante Architektur steht symbolisch für die Bedeutung des angesehenen Forschungsinstituts.
Städtebauliche Leitidee
Herzstück des neuen Max-Planck-Campus ist die zentral gelegene „grüne Mitte“. Sie ist zugleich begrünter Freiraum, Kernbereich des sozialen Miteinanders und Identität bildender Mittelpunkt der Campusanlage. Den südlichen Raumabschluss des zentralen „Max-Planck-Gartens“ bildet das fernwirksame und zeichenhafte Hauptgebäude mit der Kantine und dem Auditorium. Seine ikonische Architektur steht symbolisch für die Werte und die Bedeutung der Forschung in den Max-Planck-Instituten. Zusammen mit den Laborgebäuden im Westen und unter Einbeziehung der nördlich gelegenen Bestandsbauten des IZB entsteht bereits im ersten Bauabschnitt ein räumlich geschlossener Stadtgarten mit großen Verweilqualitäten. Hier werden geplante und zufällige Begegnungen gefördert, findet der interdisziplinäre Austausch unter den Forschenden des Max-Planck-Campus statt und werden auch Besucher zum Verweilen eingeladen.
Ausgehend von der zentralen Mitte entwickelt sich ein orthogonales Cluster, dessen Baufelder wie bei einem Setzkasten sukzessive durch die bauabschnittsweise zu errichtenden Gebäude gefüllt werden. Die Bestandsbauten werden in das System integriert und damit selbstverständlicher Bestandteil der Gesamtstruktur. Ein späterer Rückbau oder Austausch einzelner Bestandsgebäude ist für das Gesamtkonzept unerheblich, da das städtebauliche Gefüge des orthogonalen Clusters unverändert bleibt. Alle Baufelder sind großzügig dimensioniert, sodass flexibel auf zukünftige Planungsänderungen reagiert werden kann. Anpassungen, etwa der Nutzungseinheiten durch Tausch oder Versetzung, sind problemlos möglich. Zwischen den Gebäuden entstehen thematisch differenzierte und begrünte Freiräume, die die Arbeitsplatzqualität erhöhen, Verbindungen zu den übergeordneten Landschaftsräumen schaffen und Raum für kontemplatives Verweilen der Forscher bereithalten.
Die in ihrer Lage unveränderte Verbindungsstraße „Am Klopferspitz“ wird in die Gesamtstruktur integriert. Logisch führen auch die beiden in Nord-Südrichtung verlaufenden Hauptachsen in die grüne Mitte. Entlang dieser Achsen befinden sich alle Haupteingänge zu den kettenförmig miteinander verbundenen Laborgebäuden. Diese klare und kraftvolle Erschließungsorganisation gewährleistet eine einfache und selbsterklärende Orientierung. Bereits im ersten Bauabschnitt kann neben den erforderlichen Nutzungseinheiten auch die Struktur gebende Erschließung nebst Begrünung hergestellt werden. So entstehen die wichtigsten Wegeverbindungen früh, und der begleitende Baumbesatz zwischen den Bauabschnitten kann bereits unabhängig von der Hochbau-Realisation wachsen. Die robuste städtebauliche Struktur erlaubt zudem eine flexible Anpassung der Nutzungsbausteine an sich ändernde Anforderungen.
Die Campusarchitektur
Die differenzierte Architektur reflektiert den Anspruch der Max-Planck-Gesellschaft an ihren Anspruch an nachhaltiges Bauen. Die konsequente Orthogonalität, ausgerichtet auf Laborraster, bildet die Grundlage einer effizienten, flexiblen und nachhaltigen Bauweise. Für eine wirtschaftliche und zukunftsorientierte Gesamtlösung wurde besonderer Wert auf Langlebigkeit und Zukunftsfähigkeit gelegt. Im spannungsvollen Kontrast zur umliegenden Begrünung entwickelt sich ein moderner Campus mit Anklängen einer angelsächsischen Prägung, hochwertiger Arbeitsumgebung und herausragender Aufenthaltsqualität.
Die Anmutung des Max-Planck-Campus ist geprägt von einer leichten, offenen Architektur, die an die klassische Moderne erinnert. Schlanke, auskragende Deckplatten dienen dem Sonnenschutz und der Fassadenreinigung und bilden das gestalterische Leitmotiv der Gebäudefamilie. Den thermischen Abschluss bilden Holzfassaden in unterschiedlich lasierten Farbtönen. Die aus Gründen des passiven Sonnenschutzes leicht schräg gestellte Fassadenelemente verleihen den Laborgebäuden eine plastische Fassadentiefe und verbinden sich harmonisch mit den auskragenden Deckenplatten zu einer zeitlosen Architektur. Der außenliegende Lamellenraffstore in den Farben der jeweiligen Gebäudefassade vervollständigt das Bild.
Architektonisches Highlight ist das zentrale Hauptgebäude mit Mensa und Hörsaalzentrum. Mit seinen leicht konkav geschwungenen Deckenrändern und der diaphanen Fassade aus Stützen, vertikalen Fensterprofilen und Sonnenschutz scheint es durch den Max-Planck-Garten zu schweben. Auch aus dem Innenraum bieten sich spektakuläre Blicke in die naturgeprägte Umgebung.
Alle weiteren Campus-Gebäude werden durch die architektonischen Leitmotive des schlanken Deckenrands und der farbigen Holzfassade zu einer gestalterischen Familie zusammengeführt. Der Forschungsstandort in Martinsried wird zur Landmarke der gelebten Innovationskultur der Max-Planck-Gesellschaft. Er besitzt eine Ausstrahlung, die nach außen und innen wirkt und sowohl Rationalität als auch Emotionen anspricht. Das Quartier mit klarer Struktur soll durch eine große Geste ebenso wie im Detail faszinieren und Begeisterung wecken.